Podcast cover showing a concrete bridge with GPR scan waves visualizing rebars and post-tension cables, overlaid with the title “Concrete Inspection: GPR, Ultrasound & AI” and portraits of the host Johannes Lohner and guest Dr. Koichi Oba.

Betoninspektion: GPR, Ultraschall und KI im Einsatz

Wie moderne Betoninspektion mit GPR, Ultraschall und KI Bauwerke effizient bewertet, Schäden erkennt und datenbasierte Instandhaltung ermöglicht.

mit Experten Koichi Oba, CEO von Proceq (Tectus Gruppe)

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Betoninspektion: Zerstörungsfreie Methoden im Überblick

Die Betoninspektion ist ein zentraler Bestandteil der Zustandsbewertung von Bauwerken. Moderne Methoden wie GPR (Radar), Ultraschall und KI ermöglichen eine zerstörungsfreie Analyse von Beton und Bewehrung.

In dieser Episode von Concretely spricht Johannes Lohner mit Dr. Koichi Oba, CEO von Proceq, über moderne Betoninspektion und die Zukunft der zerstörungsfreien Prüfung. Im Fokus stehen GPR, Eddy Current, Ultraschall, Impact Echo, KI-gestützte Risserkennung, Cloud-Plattformen, automatische Reports und der Einsatz von Robotik bei der Inspektion alternder Infrastruktur. Besonders spannend ist die Frage, wie Bauwerkseigentümer, Ingenieurbüros und Prüftechnik-Hersteller mit immer mehr Bauwerken, weniger erfahrenen Inspektoren und steigenden Anforderungen an Datenqualität umgehen können. Grundlage ist das gekürzte Transkript der Episode.

Podcast cover showing a concrete bridge with GPR scan waves visualizing rebars and post-tension cables, overlaid with the title “Concrete Inspection: GPR, Ultrasound & AI” and portraits of the host Johannes Lohner and guest Dr. Koichi Oba.

Warum Technologien bei der Betoninspektion alternden Infrastruktur entscheidend werden

Betoninspektion wird zu einer zentralen Aufgabe für Infrastrukturbetreiber, Ingenieurbüros und Bauwerkseigentümer. Viele Brücken, Parkhäuser, Tunnel und Industriebauwerke erreichen ein Alter, in dem visuelle Kontrollen allein nicht mehr ausreichen. In der Episode mit Dr. Koichi Oba, CEO von Proceq, geht es deshalb um die Frage, wie Prüfgeräte wie GPR, Eddy Current, Ultraschall, Impact Echo und digitale Auswertesysteme helfen können, den tatsächlichen Zustand von Betonbauwerken besser zu verstehen.

Betoninspektions-Methoden: GPR, Eddy Current, Ultraschall und Impact Echo

Die Betoninspektion basiert nicht auf einer einzelnen Methode, sondern auf der Kombination verschiedener Technologien. Jede Methode hat spezifische Stärken, und erst ihr Zusammenspiel ermöglicht eine zuverlässige Zustandsbewertung von Stahlbetonbauwerken.

Was wird mit „Eddy Current“ in der Betoninspektion gemessen?

Das Eddy Current verfahren wird zur hochpräzisen Bestimmung der Betondeckung und zur Lokalisierung von Bewehrung nahe der Oberfläche eingesetzt. Es eignet sich für die genaue Erfassung oberflächennaher Bewehrung.

Was ist GPR (Radar) in der Betoninspektion?

Ground Penetrating Radar (GPR) ist ein zerstörungsfreies Prüfverfahren zur Detektion von Bewehrung, Spannkabeln und inneren Strukturen im Beton. Es ermöglicht eine schnelle Untersuchung großer Flächen und liefert einen guten Überblick über den Bauwerkszustand.

Wann wird Ultraschall eingesetzt?

Ultraschall wird für die detaillierte Untersuchung innerer Defekte wie Hohlräume, Risse oder Delaminationen verwendet. Ultraschall geht tiefer in den Beton. Die Anwendung ist etwas umständlicher als GPR und erfolgt in der Regel lokal, wenn genauere Informationen zur Materialintegrität erforderlich sind.

Wofür wird Impact Echo verwendet?

Impact Echo dient zur Identifikation von Delaminationen und oberflächennahen Schäden im Beton. Die Methode ergänzt andere Verfahren, indem sie Bereiche mit schlechter Verbundwirkung oder inneren Schäden aufzeigt.

Wofür wird der Schmidt-Hammer in der Betoninspektion verwendet?

Der Schmidt-Hammer (Rückprallhammer) wird zur schnellen und zerstörungsarmen Abschätzung der Oberflächenfestigkeit von Beton eingesetzt. Durch die Messung des Rückprallwerts lassen sich Rückschlüsse auf die Druckfestigkeit und die Homogenität des Betons ziehen. Die Methode eignet sich besonders für Voruntersuchungen und Vergleichsmessungen auf größeren Flächen, liefert jedoch keine direkten Aussagen über die Festigkeit im Inneren des Bauteils und sollte daher durch weitere Prüfverfahren ergänzt werden.

Warum ist die Kombination der Methoden entscheidend?

Keine einzelne Methode liefert ein vollständiges Bild. Der größte Mehrwert entsteht durch die Kombination von GPR, Ultraschall, Impact Echo und Eddy Current, um eine fundierte und zuverlässige Diagnose des Bauwerks zu ermöglichen.

Was ist die Potentialfeld- bzw. Half-Cell-Messung?

Die Potentialfeldmessung, auch Half-Cell-Messung genannt, dient zur Bewertung der Korrosionswahrscheinlichkeit der Bewehrung im Beton. Siehe seperaten Beitrag und Podcast Aufnahme mit Herrn Aldo Rancati hier. Im Gegensatz zu den oben genannten Methoden steht hier nicht die Geometrie oder Defekterkennung im Vordergrund, sondern die elektrochemische Aktivität im Zusammenhang mit Korrosion. Sie wird meist ergänzend durchgeführt.

Methode Typische Eindringtiefe Auflösung / Genauigkeit Hauptanwendungen Stärken Limitierungen
Eddy Current 0–100 mm (optimal < 80 mm) Sehr hoch (±1–3 mm Cover) Bewehrungsüberdeckung, Lage, teilweise Durchmesser Sehr präzise im Nahbereich, einfache Anwendung Keine tiefen Strukturen, Probleme bei dichter Bewehrung
GPR (Radar)
0–300/500 mm
Mittel (abhängig von Frequenz) Bewehrung (auch 2. Lage), Spannkabel, Leitungen Flächiges Scannen, hohe Geschwindigkeit Kein direkter Durchmesser, Interpretation erforderlich
Ultraschall 0–>1000 mm (punktuell) Mittel bis hoch (lokal) Hohlstellen, Entmischung, nicht verpresste Bereiche Gute Aussage über Materialzustand in Tiefe Langsam, keine flächige Abdeckung
Impact Echo 0–500/800 mm Mittel Delamination, Hohlräume, Schichtdicken Sehr gut für Platten und Brückendecks Erfahrung für Interpretation notwendig
GPR-Scan von Beton mit sichtbaren Radarwellen zur Erkennung von Bewehrung und Spannkabeln, Quelle Proceq
Visualisierung verschiedener Testgeräte zur Detektion von Bewehrung, Hohlräumen, Spannkabeln etc. im Beton. Quelle: Proceq (Tectus Group)

Betoninspektion bei Spannbeton, Hüllrohren und nicht verpressten Spanngliedern

Ein besonders relevantes Thema der Betoninspektion ist die Untersuchung alter Spannbetonbrücken. Viele Brücken wurden nach dem Zweiten Weltkrieg mit Spannkabeln gebaut, um Material zu sparen und größere Spannweiten zu ermöglichen. Nach Jahrzehnten können nicht vollständig verpresste Hüllrohre oder lokale Korrosion an Spanngliedern zu erheblichen Risiken führen. In der Praxis wird häufig zunächst mit GPR gescannt, um kritische Zonen zu lokalisieren. Danach kann Ultraschall punktuell eingesetzt werden, bevor bei Bedarf gebohrt, mit einem Videoskop kontrolliert und anschließend Korrosionsschutz oder Verpressmörtel eingebracht wird.

Typischer Diagnoseablauf:

  1. Visuelle Inspektion / AI: Erste Bewertung der Oberfläche und Risse
  2. Delamination
    • Impact Echo: Detektion von Delaminationen und Hohlstellen nahe Oberfläche
    • Schmidt Hammer: Abschätzung der oberflächigen Betonfestigkeit
  3. Bewehrungsüberdeckung
    • GPR (Radar, flächig): Erfassung von Bewehrung, Spannkabeln und tieferen Strukturen
    • Eddy Current: Bestimmung von Bewehrungslage, Betondeckung und teilweise Durchmesser
  4. Ultraschall (punktuell)
    • Untersuchung von inneren Inhomogenitäten, Leitungen sowie der Betondicke.
  5. Potentialfeldmessung für Korrosionsaktivität

Cloud, Augmented Reality und automatischen Reports

Ein großer Engpass in der Betoninspektion ist nicht nur die Messung selbst, sondern die Auswertung. Klassisch arbeiten Ingenieure mit unterschiedlichen Geräten, Softwarelösungen, Excel-Tabellen, Fotos und manuellen Berichten. Moderne Plattformen versuchen, diese Daten zusammenzuführen. Proceq setzt laut Gespräch auf Cloud-basierte Datenhaltung, Visualisierung von GPR-Hyperbeln, Augmented Reality und automatische Berichtserstellung. Besonders interessant ist der Einsatz von KI beim Zählen von Bewehrungsstäben: Der Nutzer kann Ergebnisse manuell korrigieren, anschließend wird per Knopfdruck ein automatischer Report erstellt.

Betoninspektion unter Zeitdruck: Fachkräftemangel, Standardisierung und KI

Die Betoninspektion steht vor einem strukturellen Problem: Viele erfahrene Inspektoren, die Hyperbeln lesen, Betonbauwerke einschätzen und kritische Bereiche intuitiv erkennen können, gehen in Pension. Gleichzeitig steigt die Zahl der zu prüfenden Bauwerke. Koichi Oba nennt Japan als Beispiel mit rund 720.000 registrierten Brücken, von denen etwa die Hälfte bis 2030 älter als 50 Jahre sein wird. Daraus folgt ein enormer Bedarf an standardisierten Prüfprozessen, besserer Visualisierung, KI-gestützter Interpretation und schnellerem Reporting.

Betoninspektion der Zukunft: Robotik, BIM, Point Clouds und digitale Bauwerksakten

Die Zukunft der Betoninspektion liegt in der Verbindung von Prüfgerät, Software und Bauwerksdaten. Vehicle-mounted GPR kann Brückendecks während der Fahrt scannen, ohne den Verkehr vollständig zu stoppen. Drohnen, Kletterroboter, 3D-Scanner und APIs werden wichtiger, um Inspektionsdaten in bestehende Asset-Management-Systeme zu integrieren. Langfristig geht es um digitale Bauwerksakten, in denen Inspektionsdaten mit BIM, Point Clouds und historischen Instandsetzungsinformationen verbunden werden. So kann nachvollzogen werden, wo ein Bauwerk bereits untersucht, repariert oder überwacht wurde – ähnlich wie eine medizinische Patientenakte für Infrastruktur.

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